Den Funken einer Idee

Die Suche nach einer Idee fühlt sich des Öfteren wie eine Blockade an, eine Versperrung in deinem Kopf, eine Hürde, die sich nicht überwinden lässt. Es gibt unzählige Ansätze, um kreative Ideen zu finden und gleichzeitig ist da nichts. Die weiße, leere Seite erschlägt dich förmlich – kurz gesagt: Dir fehlt die zündende Idee,

Doch sorge dich nicht, es gibt Wege und Möglichkeiten, die bewusst und unbewusst zum Aha-Effekt führen, oder besser gesagt, der AAH-Effekt.

Direkt vor deinen Augen

Es mag geschmacklos klingen, aber manchmal liegt die Idee direkt vor unseren Augen, im ganz normalen Leben. Verlasse die stickige Luft deines Zimmers und geh in die Stadt, in Läden oder Cafés – Egal, Hauptsache viele Reize an einem Ort.

Achte auf Details in deiner Umgebung, beobachte und zwar ganz geduldig – ein Gespräch im Café, eine hervorstechende Art zu Gehen, ein interessanter Kleidungsstil, eine Interaktion eines Mannes mit seinem Hund. Inspiration kann aus den unerwartetsten Quellen kommen, sei es durch ein kurzes Ereignis oder eine interessante Beobachtung. Vielleicht merkst du, wie die heiße Schokolade im Café so süß und voll schmeckt und stelle dir vor deine Oma hätte sie für dich gemacht und ihr könntet euch mal wieder über alles unterhalten. Vielleicht riechst du den frischen und süßen Duft der Blumensträuße im nächsten Blumengeschäft und dir fällt ein, wie es sein muss, auf dem Land zu leben. Oder du findest die Form deiner Tasse lustig und schreibst darüber.

Denn sind wir mal ehrlich: Oft ist es die beklemmende und stumpfe Umgebung und nicht unsere Unfähigkeit uns was auszudenken.

Die Kunst des Umkehrens

Man kann viele Dinge neu deuten oder umstellen, denn wer weiß? Vielleicht ergibt sich ja etwas Neues.

Suche dir drei Dinge in deiner Umgebung. Eine Tasse. Erdbeerkuchen. Der Geruch nach Tee. (A/N: Merkt man, dass ich gerade in einem Café sitze?)
Wie könnten diese Dinge verknüpft sein? Welche Geschichte kann sich dahinter verbergen? In welcher Folge von Ereignissen könnten diese Gegenstände auftauchen?

Selbes Prinzip: Nimm dir drei Bücher, suche in jedem ein Wort heraus. In meinem Fall: Wüstendüne. Diebe. Schiff.


Eine andere Möglichkeit des Umkehrens funktioniert auch wenn du dir echte Menschen aus deinem Umfeld vornimmst. Schreibe, was diese Person ausmacht, welche Charakterstärken sie besitzt und was vielleicht nervig oder anstrengend ist. Sie muss nicht gleich in einen Kontext gesetzt werden, lass sie erstmal so existieren, wie sie ist. Geschafft? Weiter gehts: Nehme dir nun die Eigenschaften vor, die am interessantesten sind. Ist beispielsweise ihr Lächeln ansteckend? Ihre Stimme nasal und hoch? Ihre Wesen anhänglich und manchmal extrem nervig? Schreibe eine Szene, wo diese Eigenschaft hervorkommt. Schreibe von da an weiter: Woher kann diese Eigenschaft womöglich stammen? Hat ihre Mutter vielleicht auch schon so gelächelt, wodurch sich der Vater direkt in sie verliebt hatte? Was war passiert?


Das Umkehren funktioniert auch größer – mit Geschichten: Wenn du das Gefühl hast, dass dir nichts Neues einfällt, versuche, bekannte Geschichten, Erzählungen, Gedichte umzudrehen oder in einem anderen Kontext zu erzählen. Durch das Umkehren von Erwartungen und bekannten Erzählstrukturen kannst du zwar nicht neue Ideen, aber womöglich eine Starthilfe entwickeln, mit der du beginnen kannst.

Wichtig: Viele erfolgreiche Schriftsteller wurden von anderen Büchern inspiriert. Lies nicht nur in deinem Genre, sondern erweitere deinen Horizont. Durch das Eintauchen in verschiedene Themen und Ideen aus der Geschichte, der Naturwissenschaft, der Kunst oder anderen Bereichen kannst du neue Perspektiven gewinnen und anfangen, verschiedene Elemente zu vermischen, die dich faszinieren. Manchmal ist es ein einzelner Satz aus einem Buch, der die Grundidee für die eigene Geschichte entfacht.

Wissen, Wissen und noch mehr Wissen

Etwas kann nicht aus dem Nichts entstehen: Recherchiere über interessante Persönlichkeiten, mache dich über historische Ereignisse und politische Denkweisen schlau, lese journalistische Beiträge über ein breites Spektrum an Themen, schaue Dokumentationen über ferne Länder, fremde Kulturen, interessante Landschaften, kriminellen Machenschaften. Denn erst mit Wissen können Ideen erschaffen werden.

Tausche dich mit diesem erworbenen Wissen aus: Gespräche mit Freunden, Kollegen oder anderen kreativen Köpfen können Ideen in Bewegung setzen. Vielleicht entwickelt sich eine Sichtweise, die du alleine nicht in Betracht gezogen hättest.

Der Schlüssel ist die Balance

Wenn kein Anstoß, keine Idee und kein Einfall kommt, wie sehr du dich auch anstrengst, kann das ein Zeichen dafür sein, dass du eine Pause brauchst. Ruhe dich aus und gehe morgen mit einer ganz neuen Energie an die Sache dran.

Die Entstehung einer Buchidee ist oft nicht das Ergebnis eines einzigen Moments der Eingebung, sondern ein Prozess. Ideen kommen und gehen, sie entstehen langsam oder sprudeln plötzlich hervor. Wichtig ist, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen, sondern dem kreativen Fluss Raum zu geben. Mit der richtigen Geduld und Offenheit wird die Idee für dein Buch früher oder später genau vor dir liegen – vielleicht genau dort, wo du sie am wenigsten erwartest.

Manchmal hilft es auch, sich voller Intention zu verbieten zu schreiben. Das hat nämlich oft den gegensätzlichen Effekt, dass du nur so übersprudelst voller aufgestauter Worte und Ideen.